Markt- Chronik

6. Mittelalterspektakel Steinau an der Strasse 2015

Nachdem das 5. Mittelalterspektakel 2014 bereits ein grosser Erfolg war, tummelten sich 2015 bei strahlendem Sonnenschein wieder zahlreiche gutgelaunte Besucher in der Brüder- Grimm- Stadt Steinau an der Strasse.

 

„Signum Kairos“ und die „Galgenbrüder“ stimmten seit Einlass akustisch auf mittelalterliches Flair ein, und unter ihrer feierlichen musikalischen Begleitung setzte sich ab 13.00 Uhr der Umzug aller Teilnehmer über das Marktgelände bis zum Rathaus in Bewegung.

Hier wurde der Markt offiziell von Steinaus Bürgermeister Malte Jörg Uffeln und Herold Ritter Reinhard von Iserlohn zu Wensluchtern eröffnet.

 

 

Nun folgte auf zwei Aktionsebenen ein im halb- Stunden-Takt wechselndes Programm:

Marbun der Gaukler, William der Zauberer, die Mittelaltertanzgruppe „Stante Pede“, Walther Rath mit seinem Mäuseroulette, Ambros der Falkner, Geschichtenerzähler Absalom und das historische Kettenkarussel von Jörg- Peter Kupferschläger gehören ja inzwischen schon zum Inventar.

Zum ersten Mal mit dabei- obwohl er schon seit einigen Jahren in Steinau lebt- war der Schauspieler Lutz „Lutzelot“ Jahr, der zuvor terminlich stets anderweitig gebucht war. Er präsentierte seine „Dr. Bombastus“– Show, mit der er hauptberuflich auf Märkten in ganz Deutschland auftritt.
Als mittelalterlicher Quacksalber „Dr. Dr. Dr. Theophrastus Bombastus“ versuchte er, seinen versoffenen und leicht debilen Probanten „Bruder Leonardo“ mit Hilfe diverser skurriler Prozeduren und Gerätschaften vom Leid des „Weinsteins“ zu befreien. Der arme Kerl musste einiges über sich ergehen lassen, und auch das Publikum konnte- im Stile einer Medizinvorlesung- so einiges abstruses über die menschliche Anatomie „lernen“…

Mit grossem Engagement und Spielfreude brachte sich unser Bürgermeister Malte Jörg Uffeln in das Marktgeschehen ein. Nach seiner Ankündigung „Ich mach´ jeden Sch… mit!“ nahm ihn die „Freye Ritterschaft Frankfurt e.V.“ beim Wort, legte ihn Samstag in Ketten und zerrte ihn als „besonders prominente Beute“ über den Markt, um ihn auf dem „Sklavenmarkt“ vor dem Rathaus zusammen mit anderen „Sklaven“ zu versteigern.Uffeln wehrte sich aus Leibeskräften, schrie, schimpfte, spuckte und trat nach seinen Peinigern, was ihm jedoch nur noch weitere „Hiebe“ einbrachte…

 

 

Die schöne, junge „Wilde“ stand freilich höher im Kurs (drei Kamele!) als ein „Politiker“, der schließlich für ein Huhn „verkauft“ wurde. Einem Sklaven gelang die Flucht, und das Volk hatte seinen Spass.

Ebenfalls von der „Freyen Ritterschaft Frankfurt“ wurde der „Hexenprozess“ inszeniert, der sich konzeptionell über den Marktsonntag zog und Uffeln auch eine tragende Rolle zuwies.
Begonnen mit einer Predigt gegen Hexerei und Teufelswerk (Martin Böhm), Anschuldigungen dreier Marktweiber (Yvonne Wech, Katja Wurzel, Julia Thiele) gegen eine junge Frau (Vera Schorr) und deren Verhaftung mitten aus dem Markttreiben heraus zog sich der Spannungsbogen bis zum Prozess.

Die vermeintliche „Hexe“ wurde vor das Tribunal auf dem Marktplatz gezerrt und musste sich vor dem Inquisitor (Matthias Rummel) und dem Schultheiss (Malte Jörg Uffeln) als Vertreter der weltlichen Macht verantworten.

 

Während sie vom Henker (Jens Kaiser) im Hexenturm gefoltert wurde, verhandelte weltliche und geistliche Macht über ihre Schuld, ohne zu einem Ergebnis zu gelangen.

 

Letztlich wurde ein „Gottesurteil“ gefordert, in dem Uffeln´s „Mündel“ gegen einen Ritter als Vertreter der Kirche im Kampfe antreten sollte. Dies geschah später im Hirschgraben in Form eines Vollkontaktkampfes beider Parteien, aus dem der Mündel als Sieger hervorging.

 

Damit war die Unschuld der Angeklagten bewiesen, und der Bürgermeister, der die Autorität der Inquisition angezweifelt hatte, wurde als „Ketzer“ in Schandgeige abgeführt.

Der Inquisitor kündigte an, dass in dieser Stadt „heute noch ein Scheiterhaufen brennen“ werde. Dieses dunkle Kapitel europäischer Geschichte wurde von der „Freyen Ritterschaft Frankfurt“ unterhaltsam, dennoch der traurigen Thematik angemessen dargestellt.

Zwischen den zahlreichen Darbietungen sorgten das Quintett „Signum Kairos“ und das Duo „Die Galgenbrüder“ für Stimmung; pittoresk untermalt durch die Tanzdarbietungen der Tänzerinnen von „Y Damhsa Doiteain“. Auch im gemeinsamen Spiel harmonierten die beiden Bands hervorragend und produzierten mit vier Dudelsäcken und zwei bis drei Trommlern einen gewaltigen Soundteppich.

 

Zur Feuerschau vereinten sich Samstag Abend gleich drei Artisten- Teams: „The Burning Knights“, „Y Damhsa Doiteain“ und „Flamme Fatale“ von der „Freyen Ritterschaft Frankfurt“.

 

Der Funke sprang buchstäblich auf das sich zahlreich um den Kumpen versammelte Publikum über und wieder zurück auf die Akteure, so dass in einem hochsommernächtlichen Flair ein Feuerspektakel mit brennenden Schwertern, Feuerfächern, Sternenregen, Feuerspucken und spontanen Überraschungen wie der Sprung Andreas Rüfflers mit Feuerschwert in den Märchenbrunnen (was allmählich traditionellen Charakter erhält..) auf der Flucht vor den übermächtigen „Mädchen“. (auch „Nempus Trommelsturm“ von den „Galgenbrüdern“ nahm am Sonntag nach einem Bad in der Menge ein Bad im Märchenbrunnen…)

Klang der Marktsamstag in der Altstadt nun allmählich aus, so war in den ca. 30 Lagern auf den Kinzigwiesen vor der Stadtmauer noch lange nicht Schluss:

 

Hier wurde – wie mir zuverlässige Quellen berichteten- am Badehaus und in den Heerlagern mit „Reineckes“ musikalischer Unterstützung noch bis in die frühen Morgenstunden „Wein, Weib und Gesang“ zelebriert…